Knabstrupper - Trail 25.02.03 - 05.03.03
Endlich !
Es ist Ende Februar. Der lang ersehnte Urlaub ist endlich da. Draußen ist es
noch ordentlich kalt, die Wintersonne scheint so gut sie kann. Der Koffer ist
schon seit Tagen fertig gepackt.
Und die Vorfreude? Die läßt sich jetzt auch nicht mehr zügeln. Denn schließlich soll es zum Highlight dieses Jahres gehen. Nach Andalusien, zu Uta und Dirk. Auf die Finca, auf der ich schon einmal einen wunderschönen Urlaub verleben durfte. Ob sich was verändert hat? Ob die Pferde, Hunde, Katzen noch genauso sind, wie ich sie in Erinnerung habe?
Endlich ist der Flieger gelandet. Es ist deutlich wärmer als in Deutschland, das muß man wohl so sagen. Bloß raus aus der warmen Jacke. So. Wo ist Dirk? Er wollte uns doch abholen. Peinlich, ich bin an ihm fast vorbeigelaufen, aber ein fröhliches "Hallo Marion" läßt mich anhalten. Pünktlich wie immer. Eine Umarmung und die Vorstellung meiner Schwester, die er noch nicht kennt, dann suchen wir nach noch einer Mitreiterin, die aber mit einem anderen Flieger gekommen ist. Da ist sie, es kann losgehen.

Die Fahrt in die Berge weckt schon die ersten Erinnerungen. Und über allem strahlt die andalusische Sonne. Auf der Finca angekommen begrüßt uns Uta, verwöhnt uns gleich mit Kaffee und Kuchen und stellt uns unseren "Quotenmann" vor. Da sind wir also: Die Vier, die den ersten Trail mit Uta und Dirk reiten wollen. Nach dem Kaffee bekommen wir eine kurze Führung über die Finca, lernen die Pferde kennen. Ein ungewohnter Anblick von so vielen bunten Pferden. Getupfte, gesprenkelte, welche mit wenigen Punkten, manche einfarbig und manche sind vorne einfarbig und hinten gefleckt. Selten. Genau wie die Rasse, denn es handelt sich um Knabstrupper. Hier haben wir nun die wohl einmalige Gelegenheit, Pferde dieser Rasse zu reiten.
Noch ein bißchen Zeit zum Relaxen nach der langen Anreise, dann gibt es Abendessen. Und das ist bei Uta schon immer ein Genuß gewesen. Und die Erwartung wird auch nicht enttäuscht. Hmmm. Schade eigentlich, daß wir auf dem Trail woanders essen müssen, aber wir haben es ja so gewollt. Unsere Gastgeber erkundigen sich noch nach den Eßgewohnheiten der Mitreiter, aber kein Vegetarier ist unter uns, wir sind "Allesfresser". Aber gut zu wissen, daß man auch sonst nicht verhungern würde. Endlich!
Der Tag des Abritts. Pferde holen, Pferde putzen, Pferde satteln. Guten Morgen Cinderella, du hast mir beim letzten Aufenthalt schon so gut gefallen. Wir reiten kurz auf dem Platz, um uns mit den Pferden vertraut zu machen. Alles klar? Aber sicher. Dann kann es ja los gehen. Heute ist eine ordentliche Wegstrecke zu bewältigen. Also auf geht´s. Erst einmal geht es bergauf, bergab, aber beständig in die Höhe. Von ca. 900 Höhenmetern klettern wir auf 1200. Die Landschaft ist einmalig schön. Der Wind bläst ganz ordentlich. Um uns herum sind die ersten Mandelbäume zaghaft erblüht. Mittags wird Halt gemacht. Da steht ein LKW im Grünen, davor ein Tisch und zwei Bänke. Welch Luxus. Lecker Essen wartet auf uns. Anschließend noch Kaffee oder Tee, nach der ausreichenden Pause für die Pferde geht es weiter. Durch die schöne Berglandschaft mit ihren Oliven-, Feigen- und Mandelbäumen. Jetzt kommt die Sonne durch und wärmt. Wir beschließen, daß die nächsten Tage auch viel Sonne zu scheinen hat.

Lange Trabstrecken und schöne ausgeglichene Galoppaden bringen uns unserem Etappenziel näher. Ein entzückendes Häuschen, friedlich einsam und still gelegen. Für die Pferde ist der Paddock bereit. Absatteln, Füttern, Pferde waschen. Dann erst einmal ein Kaltgetränk aus dem LKW. Schön gekühlt. Zisch - das tut gut. Und dem Hintern tut es gut, wieder auf den Beinen zu stehen... Das Gepäck ist schon im Haus, die Zimmer sind bereit. Badezimmerblues, dann kurz relaxen, erster Bettentest (sind voll okay) und dann zum Abendessen. Super, auch diese Frau kann kochen. Ein typisch spanisches Gericht. Hmm. Dann nett den Abend zusammen ausklingen lassen bei leckerem spanischem Rotwein. Am nächsten morgen kam es dann: Das typisch spanische Wetter. Oh, es wird Sommer! Kein Wölkchen am strahlend blauen Himmel. Dafür Sonne, Sonne, Sonne. Fantastisch.
Wir reiten weiter. Uff, erst einmal muß sich der Hintern wieder an den Sattel gewöhnen. Zum Glück dauert es nur ganz kurz, denn die Sättel kneifen nicht, sind in einem sehr guten Zustand. Wir folgen dem Wasserlauf eines kleinen Flüsschens. Hübsch anzusehen. Ach ja. Dann gelangen wir in einen riesigen Canyon. Hatte ich mal gesagt, daß ich im Grand Canyon reiten wollte ? Brauch ich jetzt nicht mehr, ich fahre wohl eher noch mal nach Spanien. Wow. Dann die Herausforderung des Tages. Wir müssen ein gutes Stück steil nach oben. Zu steil zum Reiten. Also Marsch. Uff. Aber oben angekommen gibt es als Belohnung Orangensaft und Müsliriegel. Dann genießen wir den Blick über die Schlucht. Wie? Da unten waren wir? (Da gab es übrigens Wildschweine aus der Ferne zu betrachten. Ganz schöne Brocken.)
Über den Staudamm, der zur Zeit nur eine Pfütze staut, führt uns der Weg hinab. Da steht er: David mit dem LKW. Mittagspause. Den Rest des Weges meistern wir lächelnd. Die Sonne hat uns übrigens ausnahmslos einen Sonnenbrand verpaßt. Am Abend werden die Pferde in Dirks Obhut im Paddock gelassen, wir werden in unser Nachtquartier gefahren. Nach dem wir wieder gut gegessen haben, Tiefschlaf.
Der nächste Tag beschert uns wieder Sonnenschein, zum Glück weht etwas Wind, sonst würden wir heute gebraten werden. Wir kommen ans Mittelmeer. Dort gibt es Mittagessen am Strand. Ich bange allmählich um mein persönliches zulässiges Höchstgewicht. Aber es schmeckt alles so gut...
Dann der Strand. Wasser, Sand, Wellen und mee(h)r. Strandgalopp. Kurze Anspannung unter den Reitern, denn wir wissen nicht, wie die Pferde reagieren, wenn sie freies Feld vor sich sehen. Zu allem Überfluß sind alle Stuten rossig geworden. Nach dem Angaloppieren löst sich die Spannung sofort. Lässig galoppieren wir den Strand hinunter. Ach, ist das schön! Wie eigentlich schon die ganze Zeit beweisen die Pferde ihre Nervenstärke trotz flatternden Segeln und bellenden Hunden.

Diesen Abend ist die Station mit Meerblick. Und abends gibt es Paella. Die sieht schon fast zu schön aus, um gegessen zu werden. Hat ihr aber nicht geholfen, wir haben sie trotzdem gegessen. Lecker. Echt. Etwas beschwingt vom Rotwein geht es zurück ins Hotel. Nach dem Frühstück werden wir wieder abgeholt. Der Rückweg ist anzutreten. Ein letzter Galopp am Strand, dann biegen wir wieder in die Berge ab.
Und je weiter wir kommen, je weiter wir die Zivilisation hinter uns lassen, umso friedlicher und stiller wird es um uns. Nur noch Vogelgezwitscher und Käuzchenrufe. Wir haben sogar wilde Schildkröten gesehen. Die nächsten Tage genießen wir die Stille und die Aussicht. Und dann: Nach der sonnigen Woche sind in den Bergen alle Mandelbäume voll erblüht. Rosa, weiß. Meilenweite Blütenmeere. Ein Traum. Meine Entzückungsausbrüche werden lächelnd toleriert. Und dann kommen wir wieder auf dem "Reiterhügel" an. Schade. Der Po hat sich schon so an den Sattel gewöhnt, daß wir locker weiter reiten könnten. Trösten tut die Aussicht auf Uta´s Abendessen. Und das war der krönende Abschluß. Prost Leute. Wir haben bewiesen, daß der Trail mit seinen ca. 240 km in 6 Tagen gut zu bewältigen ist, die Pferde haben es auch bewiesen. Es war ein wunderbares Erlebnis. Und der Abschied fällt echt schwer. Meine Hautfarbe wird mich noch eine Weile daran erinnern, wie schön das Wetter war und meine Erinnerungen daran, daß ich unbedingt wiederkommen möchte. Also bis zum nächsten Mal. Marion
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mariongutzmann@t-online.de